Die Vermessung des Schlafs

Schlaflabor. Das klingt für viele erschreckend technisch kalt. Doch moderne Schlaflabore gleichen eher freundlichen Hotels. Denn je gemütlicher das Ambiente, desto realistischer die Bedingungen für die Analyse schwerer Schlafstörungen. Die steht an, wenn bisher keine Therapie geholfen hat.

Jeder Vierte unter uns klagt über häufige Schlafstörungen, für jeden Zehnten werden sie zum chronischen Leiden. Sie erhöhen das Risiko, an Depressionen zu erkranken um das 8-Fache. Eine durchwachte Nacht senkt das Reaktionsvermögen so stark wie 0,8 Promille Blutalkohol. Die Weltgesundheitsorganisation stuft Schlafstörungen als ebenso gefährlich ein wie etwa Diabetes.  Wer sich 1 Monat lang binnen 3 Nächten pro Woche schlaflos auf der Matratze wälzt, sollte deshalb abklären lassen, warum er keine Erholung findet.

Der Weg ins Schlaflabor

 Schlafstörungen können viele Ursachen haben, seelische wie körperliche. Und sie können selbst Auslöser sein für Krankheiten wie Bluthochdruck. Schlafforscher sprechen von mehr als 80 Leiden, die mit schlechtem Schlaf zusammenhängen. Wenn der Hausarzt mit seinen ambulanten Diagnosemöglichkeiten nicht weiter kommt oder wenn die Behandlung von Grunderkrankungen zu keiner Besserung führt, dann überweist er in ein Schlaflabor. In Deutschland gibt es mehr als 300 dieser medizinischen Spezialeinrichtungen mit „Schlafzimmern“ für die Patienten und einem separaten Technikraum, von dem aus die Überwachung unauffällig gesteuert wird.

Wer hier aufgenommen wird, checkt ein wie im Hotel und lässt den Alltag für bis zu 5 Tage hinter sich. Am Ankunftstag ab 14 Uhr sind Kaffee, Cola, Tee tabu, tagsüber darf nicht geschlafen werden. Denn all dies könnte die Ergebnisse der sogenannten Polysomnografie verfälschen. Und damit die Elektroden für die Messungen überall gut am Körper haften, sollen Haarpflegemittel und Cremes weggelassen werden.

Keine Angst vor Kabeln!

Die meisten von uns kennen Elektroden und Sensoren von Untersuchungen wie dem EKG. Aber mit etlichen Geräten verbunden zu sein und dabei schlafen zu sollen, das ist für manche schwer vorstellbar. Der Aufenthalt im Schlaflabor beginnt deshalb immer mit einem Gespräch, währenddessen die Technik und ihre Funktionen ausführlich erklärt werden. Gemessen werden Atmung, Hirnströme, Augenbewegungen, Beinbewegungen, Herztätigkeit und Sauerstoffsättigung des Blutes, je nach Vorgeschichte des Patienten auch Blutdruck und Magensäurerückfluss. Körperlage und Schlafgeräusche werden per Videokamera und Mikrofon aufgezeichnet. Dieser medizinischen „Big-Brother-Methode“ muss der Patient zustimmen, bevor er ins Bett geschickt wird. Dort wird er dann von Kopf bis Fuß verkabelt und darf endlich schlafen.

30% der Patienten gelingt das Schlafen in der ersten Labornacht tatsächlich schlechter als zuhause. 25% der Patienten geht es umgekehrt. Sie schlafen zuerst besser als sonst, weil sie morgens nicht ausgeruht und fit auf der Matte stehen müssen. Die Aussagekraft der Untersuchungen wird durch diese Effekte nicht beeinträchtigt. Denn schon in der zweiten Nacht sind die Kabel meist vergessen wie die gewohnte Armbanduhr oder Halskette.

Das individuelle Schlafprofil

Es dauert mehrere Tage, bis die umfangreichen Daten ausgewertet sind und klar ist, ob die Schlafstörungen Ursache oder Wirkung einer Krankheit sind bzw. wie sie optimal behandelt werden können. Je nach individuellem Schlafprofil übernimmt  jetzt wieder der Hausarzt oder er kooperiert mit den Schlafmedizinern im Schlaflabor. Damit der Patient seine gesunde Ruhe wiederfindet.