„Suppenkoma“ oder die Wahrheit über den Mittagsschlaf

In Leistungsgesellschaften wie der unseren ist der gute alte Mittagsschlaf ein eher verpöntes Vergnügen. Dabei wirkt er ausgesprochen leistungssteigernd. Übermüdung hingegen ist kontraproduktiv, denn sie verursacht Konzentrationsschwäche und mithin Arbeitsfehler und Unfälle.

Nein, sie ist keineswegs die Folge eines üppigen Mahls zur Tagesmitte, auch wenn wir sie abschätzig Suppenkoma nennen. Die Mittagsmüdigkeit entspricht vielmehr unserem natürlichen Biorhythmus. Wann genau sie uns ereilt, hängt vom persönlichen Tagesablauf und der eigenen „inneren Uhr“ ab. Dass sie aber kommt, ist unvermeidlich. Gegenwehr ist blanker Stress. Kluge Unternehmer gestatten sich und ihren Mitarbeitern deshalb das kleine Nickerchen zwischendurch, das schon berühmte Mittagsschläfer wie Leonardo da Vinci, Thomas Mann und Albert Einstein zu Höchstleistungen beflügelt haben soll.

Kraftquelle Mittagsschlaf

Powernapping, wie der Mittagsschlaf zeitgeistig heißt, tut in jedem Lebensalter gut, erfrischt Körper und Geist, steigert unsere Reaktionsfähigkeit und verbessert unsere Gedächtnisleistung. Davon zeugen zum Beispiel Untersuchungen an der Universität des Saarlands, wo Forscher Wortpaare lernen ließen. Die Hälfte der Testpersonen durfte nach der ersten Prüfung kurz dem Schlaf frönen und konnte sich bei der zweiten an deutlich mehr erinnern als die schlaflose Vergleichsgruppe. Ein Jammer also, dass viele Menschen sich der Mittagsruhe nur heimlich hinzugeben wagen. Denn diejenigen, die es tun, leiden laut Statistik seltener an Herz-Kreislauf-Erkrankungen und können damit bestenfalls einen zu hohen Blutdruck senken. Dabei muss nicht einmal wirklich geschlafen werden. Wichtig ist die kurze Entspannung zum individuell richtigen Zeitpunkt. Schlafforscher empfehlen 20 bis maximal 30 Minuten mittägliche Auszeit, damit man nicht in eine Tiefschlafphase gerät, aus der das Aufwachen dann beschwerlich wäre.

Salvador Dalí und der Kutschersitz

Der Surrealist und Künstler Salvador Dalí hatte einen sehr realistischen Trick, mit dem er zuverlässig rechtzeitig aus dem Mittagsschlaf erwachte. Er setzte sich in seinen Lieblingssessel, nahm einen Löffel in die Hand und ließ den Arm bequem über die Lehne hängen. Darunter hatte er einen Teller postiert. Sobald der Tiefschlaf einsetzen wollte, entglitt der Löffel des Künstlers Hand und landete scheppernd auf dem Teller. Dieser Effekt lässt sich auch ganz einfach und überall im sogenannten Kutschersitz erzielen: Nehmen Sie einen Geräuschemacher wie Ihren Schlüsselbund in die Hand und setzen Sie sich breitbeinig hin. Stützen Sie Ihre Arme auf die Oberschenkel. Ihre Hände hängen nun locker zwischen den Knien. Schließen Sie die Augen. Ob es nun 30 Sekunden oder zehn Minuten dauert, bis Sie total entspannt sind oder richtig einnicken: Wenn es soweit ist, lassen Sie den Schlüsselbund unwillkürlich fallen und sind dadurch sofort wieder voll da. Nebenbei tanken Sie eine Extraportion Sauerstoff. Denn die vornüber geneigte Haltung erleichtert das Atmen. Deshalb ist sie besonders für Menschen mit Atemwegserkrankungen gut. Erlaubt ist aber jede Haltung, die bequem ist. Und sei es nur, dass Sie den Kopf auf die gekreuzten Arme auf den Schreibtisch legen.

Zeitgewinn durch Mittagsschlaf 

Gerade in Zeiten hoher Belastung bleiben Sie leistungsfähig, wenn Sie sich Ihre Siesta gönnen. Ihre Laune hebt sich, Muskelverspannungen lösen sich, die Durchblutung wird angeregt, die Arbeit geht Ihnen leichter von der Hand. So spart Ihnen die kleine Ruhephase letztlich sogar Zeit.